Kapitel 03
Die Fallzahl sagt wenig. Die Gewaltquote sagt alles.
85.837 politisch motivierte Straftaten wurden 2025 erfasst. Wer nur die Gesamtzahlen nebeneinanderstellt, vergleicht Hakenkreuz-Schmierereien mit Krankenhausaufenthalten. Diese Seite trennt beides.
Gewaltquote 2025
Wie viel von 100 Fällen tatsächlich Gewalt ist
Jedes Feld steht für einen von hundert Fällen des Phänomenbereichs. Farbig sind die Gewaltdelikte – Körperverletzung, Landfriedensbruch, Brandstiftung, Raub, Tötungsdelikte.
PMK rechts
1 von 27 Fällen
3,8 %
Gewaltdelikte an allen Fällen des Bereichs
1.598
Gewaltdelikte
42.544
Straftaten gesamt
PMK links
1 von 12 Fällen
8,1 %
Gewaltdelikte an allen Fällen des Bereichs
1.087
Gewaltdelikte
13.490
Straftaten gesamt
PMK-rechts hat 3,2-mal so viele Fälle wie PMK-links – aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelner Fall eine Gewalttat ist, liegt links 2,1-mal so hoch.
BKA PMK· Fallzahlen 2025Zählweise
Dieselben Fälle, vier Definitionen
Es werden keine Zahlen verändert, nur Deliktgruppen weggelassen. Der Abstand zwischen den Bereichen hängt fast vollständig davon ab, ob Äußerungs- und Symboldelikte mitgezählt werden.
§§ 86 und 86a StGB herausgerechnet – der Tatbestand, der auf NS-Symbolik zugeschnitten ist und im linken Bereich kaum greift.
PMK rechts
17.446
größerer Bereich
PMK links
13.083
Verhältnis rechts zu links
1,33 : 1
PMK-rechts ist bei dieser Zählweise um den Faktor 1,33 größer. In der amtlichen Zählung liegt der Faktor bei 3,15.
Alle vier Werte stammen aus derselben amtlichen Deliktstabelle. Keine Zählweise ist „richtiger“ als die andere – sie beantworten verschiedene Fragen. Die amtliche Zählung beantwortet: Wie viele Anzeigen gab es? Die letzte beantwortet: Wie oft wurde jemand körperlich angegriffen?
BKA PMKZusammensetzung
59 Prozent von PMK-rechts sind Symboldelikte
Der Größenunterschied zwischen den Phänomenbereichen entsteht fast vollständig in einer einzigen Deliktgruppe: §§ 86 und 86a StGB, das Verwenden verbotener Kennzeichen. Ein Straftatbestand, der auf Symbolik in NS-Kontinuität zugeschnitten ist und für die linke Szene deshalb kaum greift. Bei PMK-links dominiert stattdessen die Sachbeschädigung.
PMK rechts · 42.544 Fälle
- Propagandadelikte (§§ 86, 86a StGB)
- 59,0 %25.098
- Volksverhetzung (§ 130 StGB)
- 13,0 %5.547
- Beleidigung (§§ 185–188 StGB)
- 10,1 %4.297
- Sachbeschädigung
- 6,7 %2.871
- Nötigung und Bedrohung
- 2,1 %894
- Verstöße gegen das Versammlungsgesetz
- 0,4 %172
- Übrige Delikte
- 4,9 %*
- Gewaltdelikte
- 3,8 %1.598
PMK links · 13.490 Fälle
- Propagandadelikte (§§ 86, 86a StGB)
- 3,0 %407
- Volksverhetzung (§ 130 StGB)
- 0,6 %82
- Beleidigung (§§ 185–188 StGB)
- 15,6 %2.109
- Sachbeschädigung
- 52,4 %7.062
- Nötigung und Bedrohung
- 2,1 %282
- Verstöße gegen das Versammlungsgesetz
- 8,2 %1.100
- Übrige Delikte
- 10,1 %*
- Gewaltdelikte
- 8,1 %1.087
Alle Anteile aus den Deliktstabellen des BKA-Factsheets 2025 berechnet, absolute Fallzahlen jeweils rechts daneben. * Residuum aus der Gesamtfallzahl abzüglich der ausgewiesenen Gruppen – nicht weiter aufgeschlüsselt, statt Werte zu schätzen.
BKA PMKOpferzentriert
Wen die Tat überhaupt trifft
Dieselben Fälle, sortiert nach der Frage, ob es ein Opfer gibt und ob es körperlich zu Schaden kommt. Die Höhe der Säule entspricht dem Anteil am jeweiligen Phänomenbereich.
PMK rechts · 2025
42.544 Fälle
- Körperliche Gewalt
- 1.5983,8 %
- Gegen Personen gerichtet
- 5.19112,2 %
- Sachschaden
- 3.0437,2 %
- Kein individuelles Opfer
- 30.64572,0 %
PMK links · 2025
13.490 Fälle
- Körperliche Gewalt
- 1.0878,1 %
- Gegen Personen gerichtet
- 2.39117,7 %
- Sachschaden
- 8.16260,5 %
- Kein individuelles Opfer
- 4893,6 %
Kein individuelles Opfer
Symbole und Äußerungen ohne benannte geschädigte Person: Propagandadelikte und Volksverhetzung.
30.645
rechts · 72,0 %
489
links · 3,6 %
Sachschaden
Beschädigte oder zerstörte Sachen, dazu Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Geschädigte gibt es, körperlich verletzt wird niemand.
3.043
rechts · 7,2 %
8.162
links · 60,5 %
Gegen Personen gerichtet
Beleidigung, Bedrohung, Nötigung. Eine konkrete Person ist Ziel, ohne dass körperliche Gewalt ausgeübt wird.
5.191
rechts · 12,2 %
2.391
links · 17,7 %
Körperliche Gewalt
Körperverletzung, Landfriedensbruch, Brandstiftung, Raub, Tötungsdelikte.
1.598
rechts · 3,8 %
1.087
links · 8,1 %
Die Zuordnung der Deliktgruppen zu den vier Stufen ist eine inhaltliche Entscheidung dieser Seite und keine amtliche Kategorie. Die zugrunde liegenden Fallzahlen sind amtlich. Der schraffierte Rest ist das nicht aufgeschlüsselte Residuum.
BKA PMKZählregeln
Wie eine Tat in den Bereich „rechts“ gelangt
Die PMK misst nicht nur Kriminalität, sondern auch die Regeln, nach der sie sortiert wird. Vier davon sind entscheidend.
01
giltUnbekannte Täter werden nach rechts sortiert
„Von Unbekannt verübte rechte Propagandadelikte, insbesondere die Verbreitung und Verwendung verbotener nationalsozialistischer Symbole, wie z. B. Hakenkreuze und SS-Runen, sind dem Phänomenbereich PMK -rechts- zuzuordnen, wenn keine gegenteiligen Tatsachen zur Tätermotivation vorliegen.“
Aus der Ausfüllanleitung des BKA. Ein Hakenkreuz an einer Wand zählt als rechte Straftat – auch dann, wenn nie jemand ermittelt wird. Das BKA hat auf Anfrage bestätigt, dass auch ein mit Hakenkreuz beschmiertes CDU- oder AfD-Plakat pauschal als „rechts“ eingestuft wird, sofern keine weiteren Anhaltspunkte zur Tatmotivation vorliegen.
KPMD-PMK02
abgeschafftSonderregelung für antisemitische Taten – bis Ende 2023
Antisemitische und fremdenfeindliche Straftaten wurden automatisch dem rechten Spektrum zugeordnet, wenn sich aus Tatumständen oder Tätereinstellung keine gegenteiligen Anhaltspunkte ergaben. 2022 landeten so 2.185 von 2.641 antisemitischen Straftaten (82,7 %) in PMK-rechts, nur 343 in „nicht zuzuordnen“. Der Expertenkreis Antisemitismus des Bundestages hatte die Praxis bereits 2017 kritisiert. Zum 01.01.2024 wurde sie abgeschafft. 2025 entfielen noch 46 Prozent der 6.548 antisemitischen Straftaten auf PMK-rechts.
KPMD-PMK03
giltErfasst wird bei Anzeigenaufnahme, nicht nach Ermittlung
Die PMK ist eine Eingangsstatistik. Die politische Zuordnung trifft der Polizeibeamte, der die Anzeige aufnimmt – vor jeder Ermittlung und ohne dass eine spätere Einstellung oder ein Freispruch die Zahl wieder herausnimmt. Nachtragsmeldungen der Landeskriminalämter korrigieren die Werte erst später, teils um mehr als tausend Fälle.
BKA PMK04
giltDer Bereich „sonstige Zuordnung“ ist der zweitgrößte
2025 ließen sich 20.934 der 85.837 Fälle keinem der vier ideologischen Bereiche zuordnen – fast ein Viertel aller politisch motivierten Straftaten. Wer nur rechts und links vergleicht, lässt diesen Block unter den Tisch fallen.
BKA PMKAufklärungsquote 2024
Auf wen die Zweifelsregel angewendet wird
Die Zweifelsregel greift nur bei Taten ohne bekannten Täter. Wie groß dieser Teil ist, ergibt sich aus zwei amtlichen Quoten: der Aufklärungsquote über alle Straftaten und der für Gewaltdelikte.
Alle PMK-Straftaten · 84.172 Fälle
42,0 %
Nur Gewaltdelikte · 4.107 Fälle
66,0 %
Alles außer Gewalt · 80.065 Fälle
40,8 %
Die Schnittmenge
47.424
Fälle im Jahr 2024 waren keine Gewaltdelikte und hatten keinen ermittelten Tatverdächtigen. Das sind 56 Prozent der gesamten PMK. Genau auf diesen Teil wendet die Ausfüllanleitung ihre Zweifelsregel an – und ordnet ihn im Regelfall dem Bereich rechts zu.
Amtlich sind die beiden Quoten (42,0 Prozent gesamt, Vorjahr 46,9; 66 Prozent bei Gewalt, Vorjahr 63) und die Fallzahlen. Die Aufteilung darunter ist daraus berechnet. Eine Aufklärungsquote je Phänomenbereich veröffentlicht das BKA nicht – deshalb steht sie hier auch nicht.
Melde-Infrastruktur
Die Statistik zählt Anzeigen, nicht Taten
Parallel zum Anstieg der Fallzahlen ist die Zahl der Stellen gewachsen, die Anzeigen erzeugen. Die Markierungen zeigen, wann welche Stelle an den Start ging.
2017
REspect! – Meldestelle gegen Hetze im Netz
Jugendstiftung Baden-Württemberg, gefördert im Bundesprogramm „Demokratie leben!“
Bürger melden strafbar erscheinende Inhalte, die Meldestelle prüft vor und erstattet Anzeige.
72.828 Meldungen bis 01.06.2024, daraus 20.532 Anzeigen an Behörden
01.02.2022
Zentrale Meldestelle für strafbare Inhalte im Internet (ZMI)
Bundeskriminalamt
Bündelt Meldungen zu strafbaren Inhalten und leitet sie an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden weiter. Eingerichtet für die Meldepflicht großer Plattformen nach dem NetzDG.
01.02.2023
Bundesweite Meldestelle Antifeminismus
Amadeu Antonio Stiftung, bundesgefördert
Erste bundesweite Meldestelle für antifeministische Vorfälle.
Mai 2024
NetzDG-Meldepflicht abgeschafft
Digitale-Dienste-Gesetz
Die Plattformen hatten der ZMI faktisch nie Meldungen übermittelt. Seit Wegfall der Pflicht arbeitet die ZMI auf Basis freiwilliger Kooperationen – wesentliche Partner sind laut BKA zivilgesellschaftliche Meldestellen.
Propagandadelikte 2024
0
+56,9 %
Das entspricht 37,1 Prozent der gesamten PMK, 84,3 Prozent davon fielen in den Bereich rechts. Ein Zuwachs um mehr als die Hälfte in einem Jahr – bei einer Deliktgruppe, die überwiegend online begangen und gemeldet wird.
Der Zeitstrahl zeigt einen zeitlichen Zusammenhang, keinen bewiesenen ursächlichen. Belegt ist: Die PMK zählt Anzeigen, nicht aufgeklärte Taten – und die Zahl der Stellen, die Anzeigen erzeugen, ist in diesem Zeitraum gewachsen.
Fallbeispiel
Ein Hakenkreuz aus veganem Hackfleisch
AfD-Landesparteitag Baden-Württemberg, 6. Juni 2026
Aktivisten legten am Frühstücksbuffet des Tagungshotels ein Hakenkreuz aus 1,2 Kilogramm veganem Hackfleisch aus, garniert mit Gewürzgurken und ergänzt um den Schriftzug „Vorsicht vor der NSAFD“. Zu der Aktion bekannten sich Aktivisten aus dem Umfeld des Zentrums für Politische Schönheit, die von einer künstlerischen Intervention sprachen.
Die Polizei ermittelt wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen, § 86a StGB.
Stuttgarter Nachrichten ↗Warum das hierher gehört
§ 86a ist genau der Paragraf, der 59 Prozent aller PMK-rechts-Fälle ausmacht. Hier sind die Täter bekannt und dem linken Spektrum zuzuordnen – der Fall lässt sich also korrekt einsortieren. Wäre niemand ermittelt worden, hätte die Zählregel ihn automatisch nach PMK-rechts gebucht.
Zeitreihe 2019–2025
Entwicklung nach Phänomenbereich
PMK-Zahlen sind eine Eingangsstatistik und werden rückwirkend korrigiert. Für PMK-links 2024 nannte die BKA-Meldung von 2025 einen anderen Wert (11.203) als das Factsheet von 2026 (9.971). Hier steht durchgängig der zuletzt veröffentlichte Stand.
Ein Jahr im Detail
Was sich von 2024 auf 2025 verschoben hat
Nur PMK-links und die religiöse Ideologie sind gewachsen. Der größte Bereich, PMK-rechts, steht faktisch still, ausländische Ideologie und die nicht zuzuordnenden Fälle gehen zurück. Der Gesamtanstieg von 1.665 Fällen stammt fast vollständig aus einem einzigen Bereich.
BKA PMKLinksextremes Spektrum 2025
Das Milieu, das die Statistik am wenigsten abbildet
Weil § 86a für die linke Szene nicht greift, erzeugt sie kaum Symboldelikte – und fällt in der Gesamtfallzahl klein aus. Was sie erzeugt, steht im Verfassungsschutzbericht.
11.600
gewaltorientierte Linksextremisten
Von 42.200 Personen im linksextremistischen Spektrum stuft der Verfassungsschutz 11.600 als gewaltorientiert ein – ein Plus von 400 gegenüber dem Vorjahr, davon 8.700 Autonome. Das Amt schreibt, gewaltorientierte Linksextremisten sähen Straftaten und Gewalt als legitimen Bestandteil ihres „antifaschistischen Kampfes“.
Verfassungsschutzbericht+60,9%
linksextremistische Gewalttaten 2025
856 Gewalttaten, nach 532 im Vorjahr. Die linksextremistischen Straftaten insgesamt stiegen um 38,9 Prozent auf 8.133.
Verfassungsschutzbericht+42,7%
Gewaltdelikte PMK-links 2025
1.087 Gewaltdelikte nach 762 im Vorjahr – der stärkste Zuwachs aller Phänomenbereiche. Die politisch motivierte Gewalt insgesamt erreichte mit 4.156 Delikten den höchsten Stand seit 2016.
BKA PMK535
linke Gewalttaten gegen Polizisten
Gewaltdelikte gegen Polizeivollzugsbeamte stiegen im Bereich PMK-links um 45,4 Prozent auf 535. Über alle Phänomenbereiche wurden 5.144 Straftaten gegen die Polizei erfasst, davon 1.154 Gewaltdelikte.
BKA PMK6.027
Straftaten gegen tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten
Plus 56,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit das größte Angriffsziel der linksextremen Szene. „Tatsächliche oder als solche ausgemachte Rechtsextremisten“ heißt es im Verfassungsschutzbericht – die Zuschreibung trifft die Szene selbst, nicht ein Gericht.
Verfassungsschutzbericht5 J. 3 M.
Haftstrafe Lina E., Antifa-Ost
Das OLG Dresden verurteilte 2023 vier Linksextremisten wegen Angriffen auf tatsächliche und vermeintliche Rechtsextreme. Der Bundesgerichtshof verwarf die Revisionen im März 2025 und bestätigte damit die Einstufung der Gruppe als kriminelle Vereinigung.
VerfassungsschutzberichtPersonenpotenzial
0
nach 38.000 im Vorjahr
Davon gelten 11.600 Personen als gewaltorientiert. Die linksextremistischen Straftaten stiegen 2025 auf 8.133 Fälle nach 5.857 im Vorjahr, die Gewalttaten um 60,9 Prozent auf 856.
Weitere Phänomenbereiche
Die drei Bereiche, die im Links-rechts-Vergleich fehlen
Zusammen 29.803 Fälle – mehr als ein Drittel der gesamten PMK 2025.
Sonstige Zuordnung 2025
0
−5,7 % zu 22.193 im Vorjahr
Politisch motiviert, aber keinem der vier ideologischen Bereiche zuzuordnen. Der zweitgrößte Bereich überhaupt – größer als PMK-links.
Ausländische Ideologie 2025
0
−6,2 % zu 7.343 im Vorjahr
Getrieben von Resonanzstraftaten zum Nahost-Konflikt: 2024 entfielen 681 der 975 Gewaltdelikte dieses Bereichs darauf. Nach dem Höchststand 2024 wieder rückläufig.
Religiöse Ideologie 2025
0
+5,6 % zu 1.877 im Vorjahr
Kleinster der fünf Bereiche, aber mit dem höchsten Anteil an Delikten mit Terrorismusqualität.